Rezension: Wild wuchern - Katharina Köller

Vielen Dank an das Bloggerportal Random House für das kostenfreie Rezensionsexemplar!

»Ich war dort, wo man mich hingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere.«

Klappentext: Marie rennt panisch einen Berg hinauf. Auf der Flucht vor einer Welt, in der vieles aus dem Lot geraten ist, sucht sie Schutz bei ihrer Cousine Johanna. Ausgerechnet bei Johanna, die seit Jahren wie eine Eremitin auf einer entlegenen Tiroler Alm lebt. Marie und Johanna, sie könnten nicht unterschiedlicher sein: die scharfzüngige Wienerin, Luxusgeschöpf aus einer Luxuswelt, zugleich verwöhnt und verachtet von Ehemann Peter – und das »wilde Tier im Körper von einem Menschen« (Marie über Johanna), das beim Erwachsenwerden scheinbar die Sprache verloren und die Gesellschaft hinter sich gelassen hat. Für die beiden Frauen beginnt ein ungewöhnliches Kräftemessen, ein Ringen um ihr Selbstverständnis, aber auch um einen gemeinsamen Weg.

Meine Bewertung: 4,5 / 5 

"Wild wuchern" von Katharina Köller ist ein machtvoller Roman. Obwohl das Buch nur knapp 200 Seiten enthält, überzeugt der Roman mit einfacher, und doch so nahegehender Sprache. Man wird von Anfang an in den Roman hineingeworfen; erst nach und nach wird klar, warum und vor wem Marie eigentlich auf der Flucht ist. Das Buch fesselt von Anfang an und ich habe es in nur wenigen Stunden durchgelesen. Das ist auch fast mein einziger Kritikpunkt; das Buch hätte gut und gerne noch 100 Seiten länger sein können.

Es werden Themen wie häusliche Gewalt, toxische Familienmitglieder und Zivilisationskritik behandelt und auf eine sprachlich machtvoll konstruierte Art und Weise in einem alpinen Setting ausgehandelt. Im Laufe des Romans lernt man die Cousinen Marie und Johanna und auch ihre Geschichte miteinander nach und nach kennen, und beginnt, die Hintergründe ihrer Beziehung zu verstehen. Die toxischen Beziehungen zu ihren Familienmitgliedern werden beleuchtet und regen zum kritischen Hinterfragen vom luxuriösen Stadtleben und "Normalität" an und lassen den Leser auch mitfühlen, da sowohl Marie als auch Johanna stark unter den Erwartungen ihrer Eltern und Großeltern leiden. Die Beziehung der zwei Cousinen ist herzerwärmend und inspirierend, da sie es schaffen, trotz sehr unterschiedlicher Lebensentwürfe aufeinander zuzugehen und sich emotional anzunähern.

Johanna lebt ein Leben abseits der Gesellschaft, welches Marie zu Anfang stark verurteilt, doch dem sie sich mehr und mehr annähert. Der Roman wirft die Frage auf, warum einige Lebensentwürfe so stark hinterfragt werden, während andere als "normal" angesehen werden.  

Zudem behandelt der Roman auch häusliche Gewalt und toxische, patriarchale Beziehungsmuster, mit denen Marie konfrontiert wird. Ihre Flucht zu ihrer Cousine, in die "Wildnis" bedeutet gleichzeitig auch eine Befreiung aus diesen Strukturen.

So viel Tiefe in einem so kurzen Roman, der gerne auch noch einige Seiten hätte weitergehen können - eine klare Leseempfehlung! 


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