Hobbies: Konsum? Social Media am Rande der Shoppingsucht
Scrollt man durch Social-Media Plattformen wie TikTok oder Instagram, findet man vor allem Eines viel: Konsum. Trends wie "Lauft nicht, rennt!", "Hauls" oder "Go Shopping With Me" boomen auf Social Media und viele Influencer wirken wie lebende Werbetafeln. Und don't get me wrong - Shopping macht Spaß, absolut, aber es füllt einen auch mit innerer Leere, wenn man es sinnlos tut. Kennt ihr das Gefühl, durch einen Supermarkt zu gehen, und von all den Möglichkeiten, etwas zu kaufen, überfordert zu sein? Bei dm, obwohl man eigentlich nur eine Sache gebraucht hat, immer wieder durch die gleichen Gänge zu stöbern, um zu schauen, was man den noch "brauchen" könnte? Bei Langeweile mehrere Online-Warenkörbe zu füllen, ewig durch die Möglichkeiten und neusten Trends zu scrollen? Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut und es hat mich bereits zur Verzweiflung gebracht.
Mit 14 habe ich mein erstes Smartphone bekommen, ein paar Monate später einen Instagram Account erstellt. Seit nun 10 Jahren nutze ich die App so gut wie täglich. Von anfänglichen 1-2 Stunden bis hin zu Corona-Zeiten-Dauer-Doomscrolling zu einem mehr oder weniger geregelten Umgang mit klaren Limits, an die ich ich in psychisch guten Phasen auch halte. Ich beobachte mich immer wieder dabei, auf Shopping-Links zu klicken, neuen Ästhetiken entsprechen zu wollen und die damit verbundenen Produkte so unbedingt haben zu wollen. Oft erstelle ich Warenkörbe, ohne sie zu bestellen. Noch viel schlimmer bemerke ich bei Kindern, wie stolz sie von neuen Lipglossen oder Stanley-Cups berichten - frühe Statussymbole, die schon bei Fünftklässlern zu finden sind. Alles dreht sich schon früh um Konsum, ums Aussehen; darum, einer bestimmten Ästhetik zu entsprechen. Auch ich habe mich nach 10 Jahren Social Media Konsum schließlich gefragt, was meine Hobbies überhaupt so sind; abgesehen vom Konsumieren. Social Media konsumieren, Netflix konsumieren, Shoppen gehen, Essen gehen. Passiv Dinge schauen und kaufen, etwas auf sich einprasseln lassen. Kann man das wirklich als Hobby bezeichnen? Will ich das? Was tue ich überhaupt mit meiner wertvollen Freizeit? Immer wieder verspüre ich den Drang, zu kreieren. Auch mal Langeweile zu haben, etwas zu erschaffen, mich so richtig in etwas fallen zu lassen. Ich habe das Gefühl, unsere Generation hat das verlernt. Nicht alle natürlich, denn sonst gäbe es wohl kaum so viele kreative Künstler:innen, die ich sehr bewundere. Aber das kreieren in der Freizeit, ohne konkreten Zweck, das scheint vielen verloren gegangen zu sein.
Seit einigen Monaten scheint es eine Gegenbewegung zu geben: Der Hobby-Trend auf TikTok und Instagram boomt seit Wochen. Junge Menschen filmen sich dabei, wie sie stricken, puzzeln, malen, Spazierengehen, töpfern oder anderen Hobbies nachgehen. Auch ich wurde durch diese Videos inspiriert, selbst die Häkelnadel oder den Pinsel in die Hand zu nehmen und konnte dadurch schon einige kreative Projekte fertigstellen. Während man seinen Hobbies nachgeht, die nichts mit Social Media zu tun haben, gelangt man schon fast in einen Flow State; man scheint die Zeit zu vergessen und sich nur auf das zu konzentrieren, was man in genau diesem Moment tut. Das fühlt sich wunderbar entschleunigend an und gibt mir ein Gefühl der inneren Ruhe, das Shopping niemals erzeugen könnte. Richtig lange zu brauchen, um etwas fertig zu stellen, Zeit und Energie in etwas hinein zu investieren, das erfüllt mit Glück. Die Tasse, die ich im Keramikcafé liebevoll drei Stunden lang bemalt habe, ist meine Lieblingstasse, aus der ich jeden Morgen trinke, auch wenn sie weniger perfekt aussieht, als die gekauften Tassen.
Durch die ständige Belohnung, die unser Gehirn beim Konsumieren von kurzem Content erhält, erhalten wir das Gefühl, wir müssten alles immer sofort haben. Auch der Hobby-Trend entwickelt sich trotz toller Ansätze teilweise in eine weitere Konsumquelle; wenn du ein Crochet oder Reading Girlie bist, brauchst du diese Gadgets, diese Wolle, diese neuen Bücher, Lesezeichen, Buchtaschen sofort. Gegenstände kreieren eine Ästhetik. Aber machen sie uns wirklich glücklich? Macht es wirklich einen Unterschied, ob alles um uns herum ästhetisch aussieht? Ich finde, manchmal ja, aber in Maßen. Es kann nicht immer alles um uns herum ästhetisch aussehen. Diese Vorstellung kreiert einen unrealistischen Druck, der uns in den Konsum treibt. Es ist okay und realistisch, wenn ich meinen alten Einkaufsbon als Lesezeichen benutze. Genauso schön kann es sein, wenn ich ein Lesezeichen selbst gemalt oder gebastelt habe und mich immer wieder freue, es zu nutzen. Oder wenn ich mein Lesezeichen in einem schönen Laden im Urlaub in Südfrankreich gekauft habe, und mich jedes Mal, wenn ich mein Buch aufschlage, daran erfreue. Aber ich muss mir nicht jeden Monat ein neues 5er Pack Lesezeichen online bestellen, weil schon wieder ein neuer Trend aufgekommen ist. Was ich damit sagen will - Konsum ist nicht inhärent schlecht. Konsum kann uns glücklich machen, wenn er bedeutsam ist. Oder wenn wir mit Materialien selbst etwas kreieren. Wir sind nur inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem ständiger Konsum auf Social Media als normal vorgelebt wird.
Ich verstehe selbst nur zu gut, wie verlockend der ständige Konsum sein kann. Das kurze Glücksgefühl, wenn man etwas bestellt hat oder ein Paket Zuhause ankommt. Die kurze Zufriedenheit, wenn man Instagram oder TickTok öffnet und sich von ein paar Kurzvideos berieseln lässt. Weil das manchmal einfach genau das ist, was man gerade gebraucht hat. Aber trotzdem: unser Gehirn lügt uns an. Dieser ständige Konsum macht uns nicht langfristig und nachhaltig glücklich. Und er schadet unserer Erde.
Auch wenn ich selbst noch häufig Probleme habe, meinen Konsum zu begrenzen, habe ich ein paar Tipps zusammengestellt, die mir geholfen haben, sinnvoller und langsamer zu konsumieren.
Social Media
1) Jegliche Social Media Apps, die mir nichts Gutes bringen, löschen. TikTok musste zuerst dran glauben, weil der Algorithmus mich abhängig gemacht hat. "Nur noch ein Video". Diese Lüge habe ich mir viel zu oft erzählt. Zudem bin ich in toxischen Rabbitholes gelandet, die meine Erwartungen an mich selbst ins Unermessliche getrieben haben (Becoming That Girl, Clean Girl, oder wie auch immer man die kapitalismusgetriebene, normativen Schönheitsidealen und traditioneller Weiblichkeit nacheifernden Trends auch nennen mag). Auch Snapchat oder YouTube auf dem Handy mussten gehen, weil ich auf YouTube lediglich Long Form Content auf größeren Bildschirmen konsumieren möchte anstatt Shorts.
2) Ein Limit für die Bildschirmzeit - und sich dran halten. "In 15 Minuten erinnern" hat glaube ich jeder von uns schon mindestens 1000 Mal weggeklickt. Deshalb musste ich zu drastischeren Maßnahmen greifen. Apps wie ScreenZen erinnern dich jedes Mal mit einer personalisierten Nachricht, ob du jetzt wirklich auf Social Media gehen willst und sperren deine Apps nach erreichter Bildschirmzeit mit weiteren Codes, die man in der App selbst nochmal ausschalten muss. Deutlich mehr Schwellen also, um die Sucht zu unterbrechen. Wem das nicht reicht, der kann einen Bildschirmzeitcode von einer vertrauten Person eingeben lassen, den man selbst nicht kennt. Die Verantwortung abgeben also. Klingt traurig, war für mich aber zeitweise die einzige Möglichkeit, nicht im Brain Rot zu versinken.
3) Entfolgen, was mir nicht gut tut. Einfach ausmisten. Toxische Schönheitsideale, gedankenloser Konsum oder sinnfreie Challenges. Was mir nicht gut tut, muss gehen.
4) Handyfreie Tage. Das fällt mir selbst nur allzu schwer, kann aber so gut tun und befreien. Vor allem im Urlaub gibt es kaum etwas Schöneres. Einfach mal nicht erreichbar sein und ganz bei sich selbst und seinen liebsten Menschen.
Shopping
1) Kein Impulsshopping mehr. Warenkörbe existieren bei mir meist mindestens eine Woche, bevor ich sie bestelle. Meistens habe ich es dann schon wieder vergessen, und so fällt auf, was man eigentlich wirklich braucht oder haben möchte.
2) Wunschlisten erstellen. Wann auch immer ich etwas haben möchte, sogar für eine längere Zeit, schreibe ich (vor allem teurere) Dinge auf meine Wunschliste. Am Ende des Monats schaue ich mir diese noch einmal an, und realisiere, dass ich Vieles schon wieder vergessen habe. Wenn ich etwas nach längerer Zeit immer noch haben will und das Geld dafür da ist, kaufe ich es mir. Das fühlt sich dann an, wie eine Belohnung und hat bei mir darin resultiert, dass ich den Gegenstand länger wertschätze als impulsgesteuerte Käufe.
3) Wenn ich emotional bin - weg vom Handy! Wer kennt es nicht; emotional gesteuertes Online-Shopping. Das ist auch manchmal okay - solange es nicht zur Regelmäßigkeit wird! Die Zufriedenheit, die das Kaufen mir gibt, ist nicht nachhaltig und verfliegt schnell wieder. Besser ist, sich wirklich mit meinen Emotionen auseinanderzusetzen, es runter zu schreiben, oder mich zu bewegen, um den Kopf frei zu bekommen. Die Emotionen müssen wo anders hin.
4) Produkte aufbrauchen. Klingt so einfach, ist so schwer: vor allem Skin-Care oder Make-up Produkte stapeln sich oft, weil man sich schon wieder ein Neues, gehyptes Produkt kauft. Ist das wirklich besser? Meistens nicht. Deswegen gebe ich momentan mein Bestes, meine Produkte erst einmal aufzubrauchen, bevor ich dem neusten Make-up oder Skin-Care Trend nacheifere. Das ist meistens sowieso besser für meine Haut.
5) Ein festes Budget für Shopping erstellen. Ich habe mir z.B. zum Ziel gesetzt, im Monat i.d.R. nicht mehr als 3 neue Dinge zu kaufen oder mehr als 100 Euro dafür auszugeben. Das kann aber ganz individuell nach Budget und Präferenzen ausgewählt werden und hilft auch, zu selektieren, was man wirklich braucht oder gerne hätte.
6) Hobbies abseits vom Konsum suchen. Oft hilft hier, sich zu fragen, was man als Kind gern gemacht hat. Bei mir waren es Lesen und Musik hören oder singen. Und siehe da, auch jetzt macht mich Beides immer noch extrem glücklich und ich kann Stunden damit verbringen. Aber auch neue Hobbies können Spaß machen, wie z.B. Häkeln oder Keramik bemalen. Sich mal ein paar Stunden in einer Tätigkeit verlieren; dieses Gefühl von Frieden kann kein Shopping-Nachmittag ersetzen.
Ich hoffe, diese Denkanstöße haben ein paar von euch geholfen. Mit Ruhe und Reflexion können wir dem Konsumdrang widerstehen, da bin ich mir sicher! Auch wenn es mal besser, und mal weniger gut klappt.
Falls ihr das Gefühl habt, eine Shoppingsucht entwickelt zu haben und nicht mehr aufhören könnt, zu kaufen, sucht euch bitte professionelle Hilfe in Form von Therapie oder Gespräche mit euren Mitmenschen! Ihr seid nicht allein damit <3
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